V2C Trydan im Test: das sagt Manuel von Familie elektrisiert

PV-Anlage, Heimspeicher, Home Assistant, dynamischer Tarif. Wer dieses Setup kennt, weiß: Die Wallbox ist nicht das Ende der Geschichte, sondern der Anfang der Konfiguration. Manuel vom YouTube-Kanal Familie elektrisiert hat Trydan genau in dieser Umgebung getestet. Wochen im Alltag, ein echter SolarEdge-Wechselrichter, ein MG4 und kein Blatt vor den Mund. Hier ist sein Bericht.

Das Setup im Überblick

WechselrichterSolarEdge SE10K RWS
FahrzeugMG4
HeimspeicherJa
Smart-Home-PlattformHome Assistant
Messgerät (alternativ)Shelly 3EM Pro

Der erste Eindruck täuscht

Manuel macht von Anfang an klar, was ihn erwartet hat:

„Von außen wirkt das Teil natürlich etwas unspektakulär, fast der Charme eines klassischen Sicherungskastens. Aber dieser direkte Eindruck täuscht gewaltig. Die wahre Magie passiert hier unter der Haube.“

Und genau da, unter der Haube, liegt das erste echte Kaufargument. Eines, das im Prospekt kaum auftaucht, beim Elektriker aber sofort zählt:

„Ein massives Kaufargument, das man nicht sofort sieht: Die Trydan hat eine integrierte DC-Fehlerstromerkennung. Das heißt, der Elektriker muss im Sicherungskasten keinen teuren FI Typ B verbauen. Ein günstiger Typ A reicht dann. Das spart bei der Installation auf jeden Fall schon mal Geld.“

Weitere Details beim ersten Hands-on: ein integrierter Kabelhalter für das Typ-2-Kabel, ein Display für Echtzeit-Daten und Fehlercodes, und ein Schloss statt Schrauben für den Zugang zum Inneren. Anschluss per Festinstallation oder per CEE-Kabel, je nach Setup.

PV-Überschussladen: drei Wege, ein Ziel

Das Herzstück der Trydan ist das solare Überschussladen. Drei Integrationswege stehen zur Verfügung:

1. Direkte Wechselrichteranbindung Die Trydan verbindet sich über das lokale Netzwerk direkt mit dem Wechselrichter, ohne zusätzliche Hardware. Kompatibel sind Huawei, Fronius, Kostal, SolarEdge und weitere. Die Wallbox bekommt Echtzeit-Daten: Erzeugung, Hausverbrauch, Batteriezustand. Sie weiß also zu jedem Moment, ob wirklich Überschuss vorhanden ist.

2. Shelly 3EM Pro als Alternative Kein kompatibler Wechselrichter? Hier kommt der Shelly 3EM Pro ins Spiel. Manuel beschreibt es so:

„Die Box holt sich die Messdaten komplett lokal per IP-Adresse. Keine Cloudanbindung, kein Datenschutzproblem. Und der Shelly wird dabei nicht blockiert, er bleibt für alle anderen Systeme parallel nutzbar.“

3. Eigene Stromzangen Für Setups ohne externe Messgeräte: direkte Anbindung über Stromzangen an der Box selbst.

Achtung bei Heimspeicher und Shelly Manuel hat hier ein Problem aufgedeckt, das im ersten Moment nicht offensichtlich ist: Der Shelly misst ja am Netzanschluss und wenn dann die Hausbatterie Strom abgibt, meldet er weiter 0 Watt Netzbezug und die Wallbox denkt, da ist Solarüberschuss, und startet fröhlich den Ladevorgang. Das Ergebnis: Der Heimspeicher wird gnadenlos leergezogen.“ Die Lösung: einen negativen Pufferwert in den Ladeeinstellungen eintragen, zum Beispiel 500 Watt. Die Box startet dann erst bei echtem Überschuss über diesem Schwellenwert.

SolarEdge und Trydan: wenn zuerst gar nichts geht

Dieser Teil von Manuels Bericht ist der wertvollste. Nicht weil alles perfekt lief, sondern weil er zeigt, was schiefgehen kann und wie es sich lösen lässt.

Mein Start mit der SolarEdge SE10K RWS lief allerdings alles andere als smooth. Dauerhaftes Piepen, Fehlercodes 1000 und 1009 an der Box. Absolut gar nichts funktionierte.“

Der erste Gedanke: Fehler bei der Box? Falsch.

„Der Grund lag aber nicht in dieser Box, sondern in meinem Setup. SolarEdge erlaubt meistens nur eine einzige aktive Modbus-TCP-Verbindung, und die war bei mir schon durch Home Assistant belegt. Die Trydan wurde dann schlicht abgewiesen.“

Die Lösung kam in drei Schritten:

  1. Port 502 im SolarEdge-Wechselrichter prüfen und bei Bedarf anpassen
  2. Einen Modbus-TCP-Proxy in Home Assistant einrichten
  3. Trydan und Home Assistant greifen dann parallel auf die Wechselrichterdaten zu, ohne Konflikt

„Jetzt funktioniert aber alles. Trydan und Home Assistant können gleichzeitig auf die Daten vom Wechselrichter zugreifen.“

Nach der Konfiguration arbeitet die Wallbox mit vollständigen Echtzeit-Daten. Sie weiß, wann echter Überschuss vorhanden ist, wann der Speicher Vorrang hat, und sie zieht den Hausakku nicht ins Auto leer.

Home Assistant: lokale Kontrolle, kein Cloudzwang

Die Trydan kommuniziert über eine offene lokale API. Auch bei Internetausfall bleibt die Wallbox vollständig funktionsfähig. In Home Assistant stehen nach der Einrichtung folgende Entitäten zur Verfügung:

KategorieVerfügbare Daten
LadevorgangLadesensoren, aktive Session, Energiemenge
WechselrichterPV-Leistung, Hausverbrauch, Batteriezustand
SteuerungBox sperren, Ladung pausieren, Überschussladen ein/aus

EVCC-Nutzer sind ebenfalls abgedeckt. Und wie Manuel es zusammenfasst:

„Ihr könnt also nicht nur zuschauen, ihr habt auch die volle Kontrolle. Und damit baut ihr euch exakt die Automatisierungen, die zu eurem Setup passen.“

Eine ausführliche Anleitung zur Integration: Wallbox mit Home Assistant verbinden

Wallbox oder Schukostecker: Was ist sicherer?

App und Software: Manuels ehrliche Einschätzung

Die V2C Cloud App bietet drei Lademodi: Manuell, Zeitplan und Solarladen. Der Wechsel zwischen den Modi geht schnell und reibungslos. Bei zwei Punkten aber spricht Manuel Klartext:

„Beim Zeitplan muss ich ehrliche Kritik loswerden. Jede einzelne Stunde muss separat eingetippt werden. Da muss auf jeden Fall dringend noch ein Bulk Edit her. Ist aber schon in Arbeit.“

Und zur Situation in Deutschland:

„Deutschland taucht in der App bei der Länderauswahl für Markttarife bisher nicht auf. Dabei ist das hier der offizielle Deutschland-Launch. Dynamische Tarife wie Tibber oder Awattar lassen sich noch nicht nativ einbinden. V2C arbeitet aber daran.“

FunktionStand heute
ModuswechselSchnell und intuitiv
Zeitplan Bulk EditNoch nicht verfügbar
Dynamische Tarife (Tibber, Awattar)Noch nicht nativ für DE
Deutschland in der LänderauswahlIn Arbeit

Was Manuel trotzdem positiv stimmt: der direkte Kontakt zu den Entwicklern.

Was mir neben der lokalen Steuerung extrem gut gefallen hat: der direkte Draht zu den Entwicklern. Blitzschnelles, konkretes Feedback. Das gibt einem ein gutes Gefühl für zukünftige Updates.“

Zielladung in kWh

Seit Firmware 2.43 gibt es eine Funktion, die einfach klingt und in der Praxis viel wert ist. Manuel erklärt es an seinem eigenen Fall:

„Ihr tippt 30 kWh ein und die Wallbox lädt genau diese Menge und stoppt dann automatisch. Perfekt für alle, deren E-Auto kein eigenes Ladelimit hat. Mein MG4 unterstützt zum Beispiel selbst gar nicht die Funktion, das einzuschränken.“

Fazit

Von außen unspektakulär, aber unter der Haube ist das Ding ein absolutes technisches Monster, gerade für PV-Besitzer und Smarthome-Nerds.“ Manuel, Familie elektrisiert

Geeignet fürPV-Besitzer, Home-Assistant-Nutzer, technisch affine Eigenheimbesitzer
StärkenLokale API, direkte Wechselrichteranbindung ohne Zusatzhardware, integrierter DC-Fehlerstrom, EVCC-kompatibel
Noch in EntwicklungBulk Edit im Zeitplan, native Tibber/Awattar-Integration für DE
PreisAb 870,35 €

Zur Trydan Produktseite

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag basiert auf einem unabhängigen Praxistest von Manuel (Familie elektrisiert). Der Tester hat ein Testhonorar erhalten; die getestete Einheit war eine Leihstellung von V2C.

Schreibe einen Kommentar