Bei SolarEdge ist Modbus TCP ab Werk deaktiviert. Wer den Solarüberschuss seiner Anlage ins Elektroauto laden will, schaltet die Kommunikation deshalb einmalig im lokalen Portal des Wechselrichters frei, bevor die Wallbox überhaupt Daten bekommt. Danach übernimmt der Trydan von V2C die Ladesteuerung automatisch.
Das Wichtigste in Kürze
- Trydan verbindet sich über Modbus TCP/IP mit SolarEdge-Wechselrichtern, die einen Smartmeter für den Netzverbrauch haben.
- Modbus TCP muss einmalig im SolarEdge-Portal (172.16.0.1) freigeschaltet werden, Standardport 1502.
- Die Konfiguration erfolgt in zwei Schritten: zuerst im SolarEdge-Portal, danach in der V2C App.
- Ohne kompatiblen Wechselrichter funktioniert PV-Überschussladen auch über eine Stromzange am Hausanschluss.
Inhaltsübersicht
- 1 PV-Überschussladen: Was SolarEdge-Besitzer wissen sollten
- 2 Schritt 1: Modbus TCP im SolarEdge-Portal freischalten
- 3 Schritt 2: Konfiguration in der V2C App
- 4 Wartung: worauf bei SolarEdge-Anlagen zu achten ist
- 5 Für wen sich die SolarEdge-Integration besonders lohnt
- 6 Was, wenn kein SolarEdge-Smartmeter vorhanden ist?
- 7 Was sich mit PV-Überschussladen sparen lässt
- 8 Modbus TCP/IP: ein offener Standard, kein SolarEdge-Alleingang
- 9 SolarEdge im Vergleich zu anderen Wechselrichtermarken
- 10 Kurz gesagt
- 11 FAQs
PV-Überschussladen: Was SolarEdge-Besitzer wissen sollten
Ungenutzter Solarstrom ist verschenktes Geld.
SolarEdge zählt zu den größten Wechselrichterherstellern weltweit, mit einem Optimierer-System, das die Leistung jedes einzelnen Solarmoduls separat regelt.
Ohne intelligente Wallbox fließt überschüssiger Solarstrom ins Netz, meist zu einer Einspeisevergütung, die deutlich unter dem Preis für bezogenen Netzstrom liegt. PV-Überschussladen löst das, indem die Wallbox laufend die Produktionsdaten des Wechselrichters ausliest und die Ladeleistung des Elektroautos automatisch daran anpasst, statt fest mit voller Leistung zu laden.
Trydan unterstützt die Integration mit SolarEdge-Wechselrichtern nativ, vorausgesetzt der Wechselrichter verfügt über einen Smartmeter, der den Netzverbrauch am Hausanschluss misst. Ohne diesen Zähler kennt der Wechselrichter den tatsächlichen Energiefluss nicht, und die dynamische Steuerung kann nicht rechnen.
Schritt 1: Modbus TCP im SolarEdge-Portal freischalten
Anders als bei Wechselrichtermarken mit werkseitigem LAN-Port erfordert SolarEdge einen zusätzlichen Einrichtungsschritt direkt am Gerät, bevor Trydan überhaupt mit ihm kommunizieren kann: Modbus TCP ist ab Werk deaktiviert, und die Freischaltung passiert nicht über die App oder die Cloud, sondern über ein lokales Konfigurationsportal, auf das nur zugegriffen werden kann, während man direkt mit dem WLAN-Signal des Wechselrichters selbst verbunden ist. Das klingt nach mehr Aufwand, als es tatsächlich ist: Der gesamte Vorgang dauert bei den meisten Anlagen nicht länger als 10 bis 15 Minuten, und er muss nur ein einziges Mal durchgeführt werden.
✅ Vorbereitung am Wechselrichter
- Wechselrichter auf die neueste Firmware-Version aktualisieren.
- Roten Kippschalter am Wechselrichter mindestens 5 Sekunden auf Position „P“ stellen, um das direkte WLAN zu aktivieren.
- Mit dem WLAN-Netzwerk des Wechselrichters verbinden, der Zugangscode steht auf der rechten Geräteseite.
- Im Browser die Adresse 172.16.0.1 aufrufen, dafür ist kein Installateur-Passwort nötig.
Im Portal unter „Kommunikation des Standorts“ wird die Option Modbus TCP-Port ausgewählt und Modbus aktiviert. Der Standardport 1502 kann unverändert bleiben, eine Anpassung ist normalerweise nicht nötig.

Anschließend wird unter der Option WLAN geprüft, ob der Wechselrichter mit demselben Netzwerk verbunden ist wie später auch Trydan, und die zugewiesene IP-Adresse notiert. Diese IP wird im nächsten Schritt in der V2C App gebraucht.
Zuletzt wird unter „RS485-1″ die Option Modbus Multi-Gerät aktiviert. Ohne diesen letzten Schritt bleibt der Wechselrichter für externe Geräte wie Trydan unsichtbar, selbst wenn Modbus TCP bereits eingeschaltet ist.
Schritt 2: Konfiguration in der V2C App
Sobald Trydan im selben Netzwerk wie der Wechselrichter ist, wird die zuvor notierte IP-Adresse eingetragen. Ab hier läuft die Einrichtung genauso wie bei jeder anderen unterstützten Wechselrichtermarke.
In der V2C App unter dynamischer Leistungsregelung wird als Gerätetyp Wechselrichter und als Wechselrichtertyp SolarEdge ausgewählt, gefolgt von der IP-Adresse und dem passenden Installationsschema.

Bei der Auswahl des Installationsschemas lohnt sich ein zweiter Blick: SolarEdge unterscheidet zwischen einphasigen und dreiphasigen Anlagen, und danach, ob der Smartmeter den Netzexport oder den Netzverbrauch misst. Die falsche Kombination führt zu einer Wallbox, die zwar verbunden ist, aber falsch reagiert, etwa zu viel Netzstrom mitlädt, obwohl Solarüberschuss vorhanden wäre.
Wartung: worauf bei SolarEdge-Anlagen zu achten ist
Anders als bei der einmaligen Einrichtung braucht die laufende Verbindung zwischen Trydan und dem SolarEdge-Wechselrichter keine wiederkehrende Pflege.
Ändert sich die IP-Adresse des Wechselrichters, etwa nach einem Router-Neustart ohne feste DHCP-Reservierung, muss sie in der V2C App einmalig neu eingetragen werden. Eine feste IP-Zuweisung für den Wechselrichter im Router-Menü vermeidet dieses Problem dauerhaft und ist die einzige Wartungsmaßnahme, die sich in der Praxis wirklich lohnt.
Firmware-Updates am SolarEdge-Wechselrichter beeinträchtigen die Verbindung normalerweise nicht, solange Modbus TCP dabei aktiviert bleibt. In seltenen Fällen setzt ein größeres Firmware-Update die Portal-Einstellungen zurück, dann muss Schritt 1 einmalig wiederholt werden.
Für wen sich die SolarEdge-Integration besonders lohnt
Wer bereits in eine SolarEdge-Anlage mit Optimierern investiert hat, will die feinere Kontrolle über die Solarproduktion auch beim Laden nutzen. Ein Elektroauto ist dabei der größte Einzelverbraucher im Haushalt: Eine einzige Ladung mit 40 bis 60 kWh entspricht dem Stromverbrauch eines durchschnittlichen Zwei-Personen-Haushalts über mehrere Tage.
Wird diese Menge über Nacht oder bei fehlendem Solarstrom aus dem Netz bezogen, bleibt vom finanziellen Vorteil der eigenen Anlage entsprechend wenig übrig. PV-Überschussladen verlagert genau diesen großen Posten dorthin, wo der Strom ohnehin schon erzeugt wird, und profitiert zusätzlich von der modulweisen Optimierung, für die SolarEdge bekannt ist.
Was, wenn kein SolarEdge-Smartmeter vorhanden ist?
Nicht jede SolarEdge-Anlage hat von Werk aus einen Smartmeter verbaut, gerade bei älteren Installationen.
In diesem Fall funktioniert PV-Überschussladen trotzdem, über eine Stromzange am Hausanschluss.
Die Zange misst den Energiefluss direkt am Zählerpunkt und ermöglicht echtes Überschussladen, unabhängig davon, ob der Wechselrichter selbst einen Zähler hat. Für Haushalte, die den Smartmeter nicht extra nachrüsten wollen, ist das der schnellere Weg, auch wenn die native Modbus-Integration langfristig die stabilere Lösung bleibt. Ein Nachrüsten des Smartmeters lohnt sich vor allem dann, wenn ohnehin ein Elektriker für andere Arbeiten an der Anlage im Haus ist, da der zusätzliche Aufwand in diesem Fall gering ist.
Was sich mit PV-Überschussladen sparen lässt
Bei einer SolarEdge-Anlage mit ausreichender Modulleistung lässt sich ein großer Teil der jährlichen Ladeenergie direkt aus eigenem Solarstrom decken, statt aus dem Netz. Zum Vergleich: Netzstrom kostet aktuell im Schnitt rund 0,31 €/kWh, während selbst erzeugter PV-Überschuss sich mit etwa 0,05 €/kWh rechnen lässt, deutlich unter der Einspeisevergütung, aber ohne Kosten für den Bezug.
Bei realistischer Jahresfahrleistung sind so, je nach Anlagengröße und Fahrgewohnheiten, jährliche Einsparungen zwischen 900 und 1.500 Euro möglich, verglichen mit reinem Netzstromladen.
Empfohlene Artikel
Bei V2C werden Leistungsstarke Ladestation für Elektroautos in Europa entwickelt und hergestellt, und es wird über die neuesten Entwicklungen der Elektromobilität informiert.
Modbus TCP/IP: ein offener Standard, kein SolarEdge-Alleingang
Die zusätzliche Freischaltung im Portal wirkt auf den ersten Blick wie eine Besonderheit von SolarEdge, ist es im Kern aber nicht. Modbus TCP/IP ist ein offener Industriestandard, denselben, den auch Huawei, Fronius, Kostal und Sungrow für die native Trydan-Integration nutzen. Der Unterschied liegt nicht im Protokoll selbst, sondern darin, wie jeder Hersteller die Aktivierung dieses Protokolls in seiner eigenen Firmware gestaltet: Manche Marken liefern Modbus TCP werkseitig bereits aktiviert aus, SolarEdge dagegen verlangt aus Sicherheitsgründen eine bewusste Freischaltung durch den Betreiber der Anlage, bevor ein externes Gerät wie Trydan darauf zugreifen kann.
SolarEdge im Vergleich zu anderen Wechselrichtermarken
Trydan verbindet sich nativ nicht nur mit SolarEdge, sondern auch mit Huawei, Fronius, SMA, Kostal und Sungrow, sowie über die Stromzange mit praktisch jedem anderen Hersteller.
Der Unterschied liegt im Detail: SolarEdge ist die einzige dieser Marken, die eine einmalige Freischaltung im eigenen Herstellerportal verlangt, bevor die Wallbox-Integration überhaupt möglich ist. Bei Sungrow, Kostal oder SMA reicht dagegen die Netzwerkverbindung allein. Wer das einmal erledigt hat, hat aber genauso wenig weitere Wartung wie bei jeder anderen Marke.
Kurz gesagt
PV-Überschussladen mit einem SolarEdge-Wechselrichter ist mit Trydan machbar, braucht aber einen zusätzlichen Schritt gegenüber anderen Marken: die einmalige Freischaltung von Modbus TCP im SolarEdge-Portal.
Wer diesen Schritt einmal durchgeführt hat, ist danach in wenigen Minuten über die V2C App fertig. Einmal eingerichtet, läuft die Steuerung automatisch im Hintergrund, ohne dass danach noch manuell eingegriffen werden muss.
FAQs
Trydan verbindet sich mit SolarEdge-Wechselrichtern über Modbus TCP/IP, vorausgesetzt der Wechselrichter hat einen Smartmeter, der den Netzverbrauch misst, und Modbus TCP wurde im SolarEdge-Portal aktiviert.
SolarEdge liefert Modbus TCP werkseitig deaktiviert aus. Die Freischaltung erfolgt einmalig über das lokale Portal des Wechselrichters (172.16.0.1), danach ist keine weitere Interaktion mit dem Portal mehr nötig.
Ja, für die native Modbus-Integration schon. Ohne Smartmeter kennt der Wechselrichter den tatsächlichen Netzverbrauch nicht. Alternativ funktioniert PV-Überschussladen über eine Stromzange am Hausanschluss, unabhängig vom Wechselrichter.
Nein, der Standardport 1502 kann unverändert bleiben. Eine Anpassung ist nur nötig, wenn das Heimnetzwerk diesen Port bereits für ein anderes Gerät verwendet.
Trydan lässt sich alternativ mit einer Stromzange am Hausanschluss betreiben. Die Zange misst den Energiefluss direkt und ermöglicht PV-Überschussladen unabhängig vom Wechselrichterhersteller.