Sungrow Wallbox: PV-Überschussladen über das Heimnetz

Sungrow-Wechselrichter kommen ins Heimnetz entweder direkt per LAN-Kabel oder über das WiNet-S-Modul. Genau dieser Netzwerkzugang ist die Voraussetzung dafür, dass eine Wallbox den Solarüberschuss der Anlage überhaupt mitlesen kann. Der Trydan von V2C nutzt ihn über Modbus TCP, ohne zusätzliches Gateway und ohne separaten Energiezähler.

Das Wichtigste in Kürze

  • Trydan verbindet sich nativ über Modbus TCP mit Sungrow-Wechselrichtern, die über LAN oder das WiNet-S-Modul angebunden sind.
  • Ohne LAN-Port am Wechselrichter ist das WiNet-S-Modul am COM1-Anschluss notwendig, per WLAN oder Ethernet.
  • Wechselrichter und Trydan müssen im selben Netzwerk sein, mit den Kommunikationsparametern Addr 1, DHCP an, Port 502.
  • Ohne kompatiblen Wechselrichter funktioniert PV-Überschussladen auch über eine Stromzange am Hausanschluss.

PV-Überschussladen: Was Sungrow-Besitzer wissen sollten

Solarstrom, der nicht genutzt wird, ist verschenktes Geld.

Eine Sungrow-Solaranlage produziert tagsüber oft mehr Strom, als der Haushalt gerade verbraucht.

Ohne intelligente Wallbox fließt dieser Überschuss ins Netz, meist zu einer Einspeisevergütung, die deutlich unter dem Preis für bezogenen Netzstrom liegt. PV-Überschussladen löst das, indem die Wallbox laufend die Produktionsdaten des Wechselrichters ausliest und die Ladeleistung des Elektroautos automatisch daran anpasst: Es wird nur geladen, wenn und soweit Solarstrom zur Verfügung steht, oder wahlweise mit einem definierten Netzanteil als Ergänzung.

Sungrow gehört zu den meistverkauften Wechselrichtermarken in Deutschland, sowohl bei reinen String-Wechselrichtern als auch bei Hybridmodellen mit Batteriespeicher, die den überschüssigen Solarstrom zusätzlich zwischenspeichern können, bevor er ins Netz geht. Trydan unterstützt die Integration mit Sungrow-Wechselrichtern nativ, ohne zusätzliche Steuereinheit und ohne Cloud-Umweg über den Sungrow-eigenen Server: Die Kommunikation läuft direkt im Heimnetzwerk.

Zwei Wege zur Netzwerkverbindung, je nach Wechselrichtermodell

Damit Trydan mit dem Sungrow-Wechselrichter kommunizieren kann, müssen beide Geräte im selben Netzwerk sein. Wie der Wechselrichter ins Netzwerk kommt, hängt vom Modell ab: Neuere Sungrow-Geräte, besonders die Hybridmodelle mit Batteriespeicher, haben werkseitig einen LAN-Port, über den sich der Wechselrichter mit einem einfachen RJ45-Kabel direkt an den Router anschließen lässt, ganz ohne zusätzliche Konfiguration oder Zwischenschritte. Ältere oder reine String-Wechselrichter ohne diesen Anschluss brauchen dagegen das separate WiNet-S-Modul, das Sungrow selbst als Zubehör für genau diesen Zweck anbietet, und das den Wechselrichter entweder per WLAN oder per Ethernet ins Heimnetz einbindet. Welcher der beiden Wege infrage kommt, lässt sich meist schon am Gehäuse des Wechselrichters erkennen, oder in der technischen Beschreibung des jeweiligen Modells nachlesen.

✅ Anschluss je nach Ausstattung

  • Wechselrichter mit LAN-Port: direkte Verbindung zum Router per RJ45-Kabel, keine weitere Hardware nötig.
  • Wechselrichter ohne LAN-Port: WiNet-S-Modul erforderlich, eingesteckt am COM1-Anschluss (Wi-Fi oder Ethernet).
  • WLAN und Ethernet gleichzeitig am WiNet-S-Modul werden nicht empfohlen, nur eine der beiden Verbindungsarten wählen.
  • Eine stabile, direkte WLAN-Verbindung ist wichtig: Repeater oder Mesh-Netzwerke können die Kommunikation stören.
COM1-Anschluss am Sungrow-Wechselrichter für das WiNet-S-Modul

Das WiNet-S-Modul wird am COM1-Anschluss eingesteckt (Position 2 in der Abbildung oben). Für die Ethernet-Verbindung wird zusätzlich ein RJ45-Kabel am Modul angeschlossen, für WLAN reicht das Modul allein. Für die genaue Zuordnung der übrigen Anschlüsse am Wechselrichter gilt die offizielle Anleitung im V2C-Support, dort ist jeder Schritt bebildert dokumentiert.

Ein Hinweis vorab, der viele unnötige Rückfragen erspart: Läuft die Verbindung über WLAN, sollte das Heimnetz stabil und direkt sein. Repeater oder Mesh-Systeme können die Kommunikation zwischen Wechselrichter und Trydan spürbar verlangsamen oder sogar unterbrechen, weil beide Geräte laufend kleine Datenpakete austauschen.

Konfiguration in der V2C App

Sobald Wechselrichter und Trydan im selben Netzwerk sind, ist die eigentliche Einrichtung schnell erledigt. In der V2C App unter dynamischer Leistungsregelung wird als Zählertyp Sungrow ausgewählt, und die IP-Adresse des Wechselrichters eingetragen.

V2C App: Wechselrichtertyp Sungrow in der dynamischen Leistungssteuerung auswählen

Vor dem Aktivieren lohnt sich ein kurzer Blick in die Kommunikationsparameter des Wechselrichters. Mit der Standardkonfiguration ist die Integration meist ohne weitere Anpassung abgeschlossen, sofern folgende Werte gesetzt sind:

ParameterWert
Addr1
DHCPON
Port502

Weichen diese Werte am Wechselrichter ab, lassen sie sich direkt im Sungrow-Menü anpassen, bevor die Verbindung in der App aktiviert wird. Es lohnt sich, diese drei Werte vor dem ersten Verbindungsversuch einmal kurz zu prüfen: Ein falsch gesetzter Port oder eine deaktivierte DHCP-Zuweisung ist mit Abstand die häufigste Ursache, wenn die Verbindung beim ersten Versuch nicht sofort funktioniert, und lässt sich in der Regel in unter einer Minute korrigieren.

Modbus TCP statt eigener App: Warum sich das lohnt

Sungrow bietet mit iSolarCloud eine eigene App zur Überwachung der Anlage an, die aber nicht für die Steuerung einer Wallbox gedacht ist.

Trydan liest die Produktionsdaten stattdessen direkt über das offene Modbus-TCP-Protokoll aus, ohne den Umweg über Sungrows eigene Cloud-Server. Das hat zwei praktische Folgen: die Reaktionszeit auf Änderungen der Solarproduktion ist kürzer, weil keine Daten erst zu einem externen Server und zurück müssen, und die Integration funktioniert auch dann, wenn Sungrows Cloud-Dienst einmal nicht erreichbar sein sollte, solange das lokale Heimnetzwerk selbst läuft.

Modbus TCP ist dabei kein proprietäres Sungrow-Protokoll, sondern ein offener Industriestandard, der auch bei den anderen Wechselrichtermarken zum Einsatz kommt, mit denen sich Trydan nativ verbindet. Das erklärt, warum die Einrichtung bei Sungrow, Huawei, Fronius und Kostal im Kern demselben Muster folgt, auch wenn sich der genaue Anschlussweg von Marke zu Marke unterscheidet.

Was sich mit PV-Überschussladen sparen lässt

Bei einer Sungrow-Anlage mit ausreichender Modulleistung lässt sich ein großer Teil der jährlichen Ladeenergie direkt aus eigenem Solarstrom decken, statt aus dem Netz. Zum Vergleich: Netzstrom kostet aktuell im Schnitt rund 0,31 €/kWh, während selbst erzeugter PV-Überschuss sich mit etwa 0,05 €/kWh rechnen lässt, deutlich unter der Einspeisevergütung, aber ohne Kosten für den Bezug.

Bei realistischer Jahresfahrleistung sind so, je nach Anlagengröße und Fahrgewohnheiten, jährliche Einsparungen zwischen 900 und 1.500 Euro möglich, verglichen mit reinem Netzstromladen. Ein zusätzlicher Effekt: Wer den eigenen Solarstrom selbst verbraucht, statt ihn einzuspeisen, verbessert die Wirtschaftlichkeit der gesamten Sungrow-Anlage und verkürzt ihre Amortisationszeit.

84%

Günstiger mit PV-Überschuss

Netzstrom Wallbox0,31 €/kWh
PV-Überschuss0,05 €/kWh
Jährliche Ersparnis900–1.500 €

Wartung: worauf bei Sungrow-Anlagen zu achten ist

Die Verbindung zwischen Trydan und Sungrow-Wechselrichter läuft dauerhaft über das lokale Netzwerk, ohne dass danach noch etwas manuell nachgestellt werden muss.

Ändert sich die IP-Adresse des Wechselrichters, etwa nach einem Router-Neustart ohne feste DHCP-Reservierung, muss sie in der V2C App einmalig neu eingetragen werden. Eine feste IP-Zuweisung für den Wechselrichter im Router-Menü, in den meisten Heimroutern unter den DHCP- oder Netzwerkeinstellungen zu finden, vermeidet dieses Problem dauerhaft und ist die einzige Wartungsmaßnahme, die sich in der Praxis wirklich lohnt.

Firmware-Updates am Sungrow-Wechselrichter selbst, ob automatisch oder manuell über die iSolarCloud-App eingespielt, beeinträchtigen die Verbindung zu Trydan normalerweise nicht, solange sich die Modbus-Parameter Addr, DHCP und Port dabei nicht ändern.

Was, wenn kein Sungrow-Wechselrichter vorhanden ist?

Nicht jede Photovoltaikanlage hat einen Wechselrichter, der sich direkt einbinden lässt, sei es, weil das Modell nicht unterstützt wird, oder weil gar keine PV-Anlage vorhanden ist. In diesem Fall funktioniert PV-Überschussladen trotzdem, über eine Stromzange am Hausanschluss.

Die Zange misst den Energiefluss direkt am Zählerpunkt und ermöglicht echtes Überschussladen, unabhängig vom Wechselrichterhersteller. Der Unterschied zur direkten Sungrow-Anbindung ist gering: Statt der Produktionsdaten des Wechselrichters liest Trydan den tatsächlichen Netzbezug oder -überschuss am Hausanschluss aus, was für die Ladesteuerung im Alltag genauso zuverlässig funktioniert. Für Haushalte, die später eine PV-Anlage nachrüsten oder den Wechselrichter wechseln, ist die Stromzange zudem die flexiblere Lösung, weil sie unabhängig vom jeweiligen Wechselrichtermodell bleibt.

Für wen sich die Sungrow-Integration besonders lohnt

Wer bereits in eine Sungrow-Anlage investiert hat, meist mit Batteriespeicher kombiniert, will den erzeugten Strom so weit wie möglich selbst nutzen. Ein Elektroauto passt da gut ins Bild: Es ist planbar, verbraucht viel, und lässt sich fast beliebig auf sonnige Stunden verschieben, anders als der laufende Kühlschrank oder die morgendliche Dusche.

Ein Elektroauto ist dabei der größte Einzelverbraucher im Haushalt: Eine einzige Ladung mit 40 bis 60 kWh entspricht dem Stromverbrauch eines durchschnittlichen Zwei-Personen-Haushalts über mehrere Tage. Wird diese Menge über Nacht oder bei fehlendem Solarstrom aus dem Netz bezogen, bleibt vom finanziellen Vorteil der eigenen Anlage entsprechend wenig übrig. PV-Überschussladen verlagert genau diesen großen Posten dorthin, wo der Strom ohnehin schon erzeugt wird.

Besonders bei Sungrow-Hybridsystemen mit Speicher lässt sich die Ladepriorität steuern: erst der Hausverbrauch, dann der Batteriespeicher, und erst danach das Elektroauto, oder in beliebiger anderer Reihenfolge, je nach eingestelltem Lademodus in der App.

Sungrow im Vergleich zu anderen Wechselrichtermarken

Trydan verbindet sich nativ nicht nur mit Sungrow, sondern auch mit Huawei, Fronius, SMA und Kostal, sowie über die Stromzange mit praktisch jedem anderen Hersteller.

Das Verbindungsverfahren unterscheidet sich je nach Marke: manche kommunizieren per WLAN direkt, andere wie Sungrow über LAN oder ein Zusatzmodul, wieder andere kabelgebunden per RS485. Das Ergebnis ist bei allen dasselbe: automatisches PV-Überschussladen ohne zusätzliche Steuereinheit und ohne separaten Energiezähler.

Kurz gesagt

PV-Überschussladen mit einem Sungrow-Wechselrichter ist mit Trydan ohne zusätzliches Gateway und ohne separaten Zähler umsetzbar.

Wer den LAN-Port des Wechselrichters nutzen kann, ist in wenigen Minuten fertig, wer das WiNet-S-Modul braucht, hat einen Schritt mehr, aber keinen komplizierteren. Einmal eingerichtet, läuft die Steuerung automatisch im Hintergrund, ohne dass danach noch manuell eingegriffen werden muss.

FAQs

Mit welchen Sungrow-Modellen funktioniert Trydan?

Trydan verbindet sich mit Sungrow-Wechselrichtern über Modbus TCP, sobald diese im selben Netzwerk sind, unabhängig davon, ob die Netzwerkanbindung direkt per LAN-Port oder über das WiNet-S-Modul erfolgt.

Braucht man zusätzliche Hardware für die Integration?

Nur wenn der Wechselrichter keinen LAN-Port hat: dann ist das WiNet-S-Modul von Sungrow notwendig. Mit LAN-Port reicht ein RJ45-Kabel zum Router, ohne weitere Hardware.

Funktioniert die Verbindung auch über WLAN?

Ja, über das WiNet-S-Modul unterstützt Sungrow sowohl WLAN als auch Ethernet, aber nicht empfohlen gleichzeitig. Für eine stabile Verbindung empfiehlt sich ein direktes WLAN ohne Repeater oder Mesh-Netzwerk.

Was passiert ohne kompatiblen Sungrow-Wechselrichter?

Trydan lässt sich alternativ mit einer Stromzange am Hausanschluss betreiben. Die Zange misst den Energiefluss direkt und ermöglicht PV-Überschussladen unabhängig vom Wechselrichterhersteller.

Wie wird die Integration in der V2C App eingerichtet?

Unter dynamischer Leistungsregelung wird als Wechselrichtertyp Sungrow ausgewählt und die IP-Adresse des Geräts eingetragen. Mit der Standardkonfiguration des Wechselrichters (Addr 1, DHCP an, Port 502) ist die Einrichtung damit abgeschlossen.

Braucht man die iSolarCloud-App von Sungrow zusätzlich?

Nein, für die Ladesteuerung nicht. Trydan liest die Produktionsdaten direkt über Modbus TCP im lokalen Netzwerk aus. Die iSolarCloud-App bleibt weiterhin nützlich für die reine Überwachung der Solaranlage, hat aber keine Funktion in der Verbindung zu Trydan.

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