Trydan mit EVCC: Simon Dümigs Praxistest nach zwei Monaten

Wer eine Wallbox zwei Monate lang jeden Tag benutzt, sieht mehr als beim Auspacken. Simon Dümig, Betreiber des YouTube-Kanals @duemigsimon, hat genau das gemacht: nach seinem Unboxing-Video vom Juni hat er Trydan seitdem im Alltag betrieben, an seinen Kostal-Plenticore-Wechselrichter angebunden und zusätzlich mit der Open-Source-Software EVCC verknüpft. Das Ergebnis ist sein neues Video, ein Praxistest mit konkreten Einstellungen, einer echten Einschränkung und einem eher unüblichen Detail: Ein Teil der gezeigten Funktion wurde erst während der Produktion des Videos fertig entwickelt.

Das Video erschien mit rund zwei Monaten Verzögerung. Grund war, wie Dümig selbst erklärt, die direkte Zusammenarbeit mit den Entwicklern von V2C in Spanien über WhatsApp, um die automatische Umschaltung zwischen ein- und dreiphasigem Laden im Zusammenspiel mit EVCC zuverlässig zum Laufen zu bringen.

EVCC ist eine quelloffene Software, die Wallbox, Photovoltaikanlage, Wechselrichter und Hausspeicher lokal im eigenen Netzwerk miteinander verbindet, ohne Cloud-Anbindung eines Herstellers. Wer bereits eine PV-Anlage mit Speicher betreibt und mehrere Geräte aufeinander abstimmen möchte, stößt mit der reinen App-Steuerung einer Wallbox irgendwann an Grenzen, genau der Punkt, an dem Dümigs Test ansetzt.

Im Unboxing-Video vom Juni hatte Dümig bereits angekündigt, die Installation und einen ausführlichen Praxistest mit EVCC in einem eigenen Video nachzureichen. Dieser Beitrag ordnet ein, was dabei tatsächlich herausgekommen ist, zwei Monate Alltagsbetrieb später als ursprünglich geplant.

Das Wichtigste in Kürze

  • Trydan lädt PV-Überschuss auch ohne EVCC, allein über die App und die native Anbindung an den Wechselrichter.
  • Die drei mitgelieferten Strommessklemmen messen den Hausverbrauch, nicht die PV-Erzeugung direkt, dafür braucht es die Wechselrichter- oder Smart-Meter-Anbindung.
  • Eine neue Firmware- und EVCC-Plugin-Version, gemeinsam mit V2C entwickelt, macht die automatische Umschaltung zwischen ein- und dreiphasigem Laden jetzt zuverlässig.
  • Sein Fazit nach zwei Monaten Alltagsbetrieb: klare Kaufempfehlung.

Installation: worauf es bei der Kabeleinführung ankommt

Bei der Montage an einer Poroton- oder Rauputzwand empfiehlt Dümig, für die Kabeleinführung eine separate, abdichtende Verschraubung aus dem Baumarkt zu verwenden statt allein auf das mitgelieferte Kunststoffröhrchen zu setzen, ähnlich wie es auch bei der Kabeldurchführung des Ladekabels selbst gelöst ist. Die mitgelieferte Bohrschablone bewertet er positiv, bei Poroton-Mauerwerk hat er allerdings andere Dübel verwendet, als im Lieferumfang enthalten waren.

Die eigentliche Elektroinstallation, also der Anschluss an den Hausanschluss und die Absicherung, muss weiterhin eine zertifizierte Elektrofachkraft übernehmen. Was Dümig im Video zeigt, betrifft ausschließlich die mechanische Wandmontage und die anschließende Konfiguration über die App, nicht den elektrischen Anschluss selbst.

PV-Überschussladen ohne EVCC: was die Klemmen wirklich messen

Trydan liefert im Lieferumfang eine ControlBox mit drei Strommessklemmen. Diese messen den Gesamtverbrauch des Haushalts, um die Hausanschlusssicherung nicht zu überlasten, nicht direkt die Produktion der Photovoltaikanlage. Für echtes PV-Überschussladen ohne Zusatzsoftware verbindet sich Trydan stattdessen nativ mit einem unterstützten Wechselrichter oder Energiezähler, in Dümigs Fall ein Kostal Plenticore per Modbus TCP, eingerichtet allein über dessen IP-Adresse, ohne Passwort und ohne zusätzliche Hardware.

In der App stehen dafür feste Ladeprofile zur Verfügung: ausschließlich Photovoltaik, schnelles einphasiges Laden, schnelles dreiphasiges Laden und ein Profil ganz ohne Ladevorgang. Die Zeitpläne unterscheiden dabei nur zwischen Werktag und Wochenende, keine einzelnen Wochentage.

Für Haushalte ohne kompatiblen Wechselrichter bietet Trydan zwei Alternativen: die mitgelieferten Strommessklemmen selbst, sofern nur der grobe Netzbezug ausschlaggebend ist, oder die Anbindung an ein separates Smart-Energy-Meter wie ein Shelly-Gerät, das dieselbe Aufgabe übernimmt wie der Wechselrichter im Fall von Dümig.

LadeprofilWann sinnvollSteuerung
Nur PhotovoltaikTagsüber, bei ausreichend SolarüberschussApp oder EVCC
Schnell einphasigWenig PV-Überschuss, moderates NachladenApp oder EVCC
Schnell dreiphasigGünstiger Nachttarif oder viel PV-ÜberschussApp oder EVCC
Automatischer Wechsel 1-/3-phasigLaufender Betrieb ohne manuelles EingreifenNeue Firmware + EVCC-Plugin

Nicht jede Kombination aus Wallbox und Wechselrichter deckt jede Funktion gleich gut ab. Dümig benennt im Video einen konkreten Fall, in dem seine Konfiguration an eine Grenze stößt, statt die Einschränkung zu verschweigen.

✅ Eine echte Einschränkung, ehrlich benannt

  • Über den Kostal-Wechselrichter kann Trydan den Ladezustand des Hausspeichers nicht auslesen.
  • Die Option „Hausbatterie priorisieren“ funktioniert dadurch in dieser Kombination nicht.
  • In der Praxis lädt die Batterie zuerst voll, danach fließt der übrige Solarstrom ins Auto.
  • Für alltägliches Laden ohne Konfigurationsaufwand nennt Dümig das trotzdem als tragbaren Kompromiss.

Warum er Trydan zusätzlich mit EVCC verbindet

Genau diese Einschränkung ist der Grund, warum Dümig Trydan zusätzlich in EVCC einbindet. Die Einrichtung beschreibt er als denkbar einfach: Im Ladepunkt die IP-Adresse von Trydan eintragen, auf Prüfung klicken, fertig, ganz ohne Passwort oder weitere Zugangsdaten. Über EVCC lässt sich dann gezielt festlegen, bis zu welchem Ladezustand der Hausspeicher entladen werden darf, eine Feinsteuerung, die über die App allein nicht möglich ist.

Diese Kombination ist typisch für technisch versierte Nutzer mit größerer PV-Anlage und eigenem Speicher. Wer keinen Hausspeicher betreibt oder keine so feine Steuerung braucht, kommt nach Dümigs eigener Einschätzung mit der App allein bereits weit, ohne sich mit einer zweiten Software auseinandersetzen zu müssen.

Vorschaubild des YouTube-Videos: V2C Trydan im Test mit PV-Überschussladen und EVCC

Video · 28 Min.

Der komplette Praxistest auf YouTube

Simon Dümig zeigt Schritt für Schritt die Montage, das PV-Überschussladen über die App und die Einbindung von Trydan in EVCC, inklusive automatischer Phasenumschaltung.

Video auf YouTube ansehen →

Automatische Phasenumschaltung: die Funktion, die erst während der Dreharbeiten fertig wurde

Ohne automatische Umschaltung musste Dümig bislang manuell in den Sicherungskasten, um zwischen einphasigem und dreiphasigem Laden zu wechseln, je nachdem wie viel PV-Überschuss gerade zur Verfügung stand. Mit der neuen Firmware und dem parallel entwickelten EVCC-Plugin übernimmt das jetzt automatisch die Software: Bei wenig Überschuss lädt Trydan einphasig, bei ausreichend Solarstrom schaltet es selbstständig auf dreiphasig um.

Ein Gang in den Keller entfällt damit.

Für die Praxis bedeutet das laut Dümig vor allem eins: kein Beobachten der PV-Kurve mehr und kein manueller Eingriff am Stromkasten, sondern eine Wallbox, die sich seiner Erfahrung nach selbstständig an das jeweils verfügbare Solarangebot anpasst.

Vom Solarstrom zum Auto: die Datenkette in Simons Setup

PV-Anlage
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Kostal Plenticore
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Trydan + EVCC
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Fahrzeug

Modbus TCP verbindet Wechselrichter und Wallbox lokal, ohne Cloud. EVCC übernimmt zusätzlich die Feinsteuerung von Hausspeicher und Ladepreis.

Günstig laden in der Nacht mit dynamischem Stromtarif

Dümig nutzt zusätzlich einen dynamischen Stromtarif von Octopus Energy mit einem Nachtpreis von 15,9 Cent pro Kilowattstunde zwischen 0 und 5 Uhr. In EVCC hinterlegt er dafür eine Preisgrenze und stellt den Lademodus abends auf dreiphasig, damit das Fahrzeug automatisch in den günstigen Stunden schnell lädt. Eine zusätzliche Einstellung verhindert dabei, dass die tagsüber geladene Hausbatterie während dieses geplanten Ladevorgangs mit entladen wird. Wie sich dynamische Tarife allgemein mit einer smarten Wallbox kombinieren lassen, ordnet der Artikel Wallbox mit dynamischem Stromtarif ausführlicher ein.

Sein Fazit nach zwei Monaten

Nach eigener Aussage läuft die Wallbox seitdem täglich zuverlässig. Verarbeitung, die Tesla-Taste und das Ladekabel bewertet Dümig positiv, den Preis sieht er im Rahmen vergleichbarer Wallboxen. Besonders hervor hebt er den direkten Kontakt zu den Entwicklern von V2C und die sichtbare Weiterentwicklung des Produkts, die sich unter anderem am öffentlichen Änderungsprotokoll ablesen lässt. Sein Fazit: eine klare Kaufempfehlung.

Für Haushalte, die eine Wallbox in erster Linie zum Laden mit Solarstrom suchen, zeigt der Test vor allem eins: Die Grundfunktion arbeitet zuverlässig, ohne dass irgendeine Zusatzsoftware nötig wäre. Wer zusätzlich Hausspeicher, mehrere Verbraucher oder einen dynamischen Tarif feinsteuern möchte, findet mit der offenen Anbindung an EVCC einen Weg dorthin, ohne auf eine geschlossene Herstellerlösung angewiesen zu sein.

Was diesen Test von einem Unboxing unterscheidet, ist vor allem die Zeitspanne dahinter: Zwei Monate täglicher Betrieb zeigen andere Dinge als die ersten Minuten nach dem Auspacken, etwa wie sich eine Wallbox verhält, wenn der Wechselrichter des eigenen Herstellers nicht jede Funktion unterstützt, oder wie zuverlässig eine neu entwickelte Automatisierung im Alltag tatsächlich funktioniert und nicht nur im Labor. Genau diese Art von Langzeittest, mit ehrlich benannten Einschränkungen statt reiner Werbesprache, ist es, was einen unabhängigen Kanal für andere Kaufinteressierte wertvoll macht, unabhängig davon, dass V2C die getestete Wallbox zur Verfügung gestellt hat.

Technische Daten, unterstützte Wechselrichter und die verfügbaren Ausstattungsvarianten fasst die Trydan-Produktseite zusammen. Wer nach Dümigs Test selbst ausprobieren möchte, wie sich die eigene PV-Anlage mit Trydan verbindet, findet dort auch den Weg zu einem zertifizierten Installationspartner.

Transparenzhinweis: V2C hat Simon Dümig die getestete Wallbox kostenlos zur Verfügung gestellt, sein Video ist entsprechend als Werbung gekennzeichnet.

Kurz gesagt

Trydan lädt PV-Überschuss zuverlässig auch ohne zusätzliche Software, allein über die native Wechselrichteranbindung in der App. Wer wie Simon Dümig Hausspeicher und dynamischen Stromtarif gleichzeitig steuern möchte, kommt mit einer Software wie EVCC weiter, wofür Trydan eine offene und unkomplizierte Anbindung bietet. Dass V2C dabei über Monate direkt mit ihm an einer neuen Firmware- und Plugin-Version gearbeitet hat, ist für ein Produkt in aktiver Entwicklung ungewöhnlich sichtbar.

Der komplette Praxistest mit allen gezeigten Einstellungen und Zeitstempeln steht auf dem YouTube-Kanal @duemigsimon zur Verfügung, ebenso wie das ursprüngliche Unboxing-Video vom Juni mit den ersten Eindrücken zur Wallbox.

FAQs

Was messen die drei mitgelieferten Strommessklemmen bei Trydan?

Sie messen den Gesamtverbrauch des Haushalts, um die Hausanschlusssicherung nicht zu überlasten, nicht direkt die Produktion der Photovoltaikanlage.

Funktioniert PV-Überschussladen bei Trydan auch ohne EVCC?

Ja. Trydan verbindet sich nativ über die App mit unterstützten Wechselrichtern oder Energiezählern, etwa per Modbus TCP, ganz ohne zusätzliche Software oder Cloud.

Kann Trydan den Ladezustand jeder Hausbatterie auslesen?

Nicht in jeder Kombination. Bei einem Kostal-Plenticore-Wechselrichter etwa lässt sich der Batteriestand nicht auslesen, die Option zur Priorisierung der Hausbatterie funktioniert dadurch in diesem Fall nicht.

Schaltet Trydan automatisch zwischen ein- und dreiphasigem Laden um?

Mit aktueller Firmware und dem passenden EVCC-Plugin ja, abhängig vom verfügbaren PV-Überschuss, ohne manuellen Eingriff am Sicherungskasten.

Lässt sich Trydan mit einem dynamischen Stromtarif kombinieren?

Ja, über EVCC lässt sich eine Preisgrenze hinterlegen, sodass das Fahrzeug automatisch in den günstigsten Tarifstunden lädt, etwa nachts.

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