In Deutschland waren Anfang 2025 rund 1,65 Millionen batterieelektrische Pkw zugelassen, doch die meisten davon stehen den größten Teil des Tages ungenutzt in der Einfahrt. Genau darin liegt das Potenzial des bidirektionalen Ladens: Die Autobatterie speichert Strom nicht nur, sie kann ihn bei Bedarf auch wieder abgeben.
Die kurze Antwort: Bidirektionales Laden bezeichnet die Fähigkeit eines Elektroautos, Strom nicht nur aufzunehmen, sondern über eine passende Wallbox auch wieder abzugeben, an das eigene Zuhause (V2H), an das öffentliche Netz (V2G) oder an einzelne Geräte (V2L). Voraussetzung ist ein abgestimmtes Zusammenspiel aus kompatiblem Fahrzeug, bidirektionaler Wallbox und einem CCS-Kabel nach ISO 15118-20.
Das Wichtigste in Kürze
- Bidirektionales Laden speist Strom aus der Autobatterie zurück, statt nur zu laden.
- V2H versorgt das eigene Haus, V2G das Stromnetz, V2L einzelne Geräte.
- Nötig sind ein kompatibles Fahrzeug, eine bidirektionale Wallbox und ein CCS-Kabel nach ISO 15118-20.
- Trydan V2L Inselmodus ist bereits verfügbar, Trydan V2H und V2G kommen im Q1 2027.
Inhaltsübersicht
- 1 Was ist bidirektionales Laden?
- 2 Normale Wallbox oder bidirektionale Wallbox: Der Unterschied
- 3 Welches Kabel und welche Norm sind für bidirektionales Laden nötig?
- 4 Welche Elektroautos unterstützen bidirektionales Laden in Deutschland?
- 5 Trydan und bidirektionales Laden: Was heute schon geht
- 6 Checkliste vor dem Kauf einer bidirektionalen Wallbox
- 7 FAQs
- 8 Kurz gesagt
Was ist bidirektionales Laden?
Beim gewöhnlichen Laden fließt Strom nur in eine Richtung, vom Netz oder von der Photovoltaikanlage in die Batterie des Elektroautos. Beim bidirektionalen Laden funktioniert das auch umgekehrt: Die Fahrzeugbatterie gibt gespeicherten Strom wieder ab. Damit wird das Auto zu einem zusätzlichen, mobilen Stromspeicher.
Das ist mehr als eine technische Spielerei. Ein durchschnittliches Elektroauto hat eine Batteriekapazität, die den täglichen Stromverbrauch eines Haushalts um ein Vielfaches übersteigt, und steht die meiste Zeit ungenutzt in der Einfahrt oder Garage. Wer diese Kapazität für den eigenen Haushalt nutzbar macht, kann tagsüber erzeugten Solarstrom speichern und abends wieder abrufen, ganz ohne separaten Hausspeicher anschaffen zu müssen. Für Haushalte mit eigener Photovoltaikanlage verändert das die Wirtschaftlichkeitsrechnung spürbar, weil ein Investment, das ohnehin ansteht, das Fahrzeug, gleichzeitig eine zweite Funktion übernimmt.
Drei Varianten haben sich am Markt etabliert, mit demselben Grundprinzip, aber unterschiedlichem Ziel der Rückspeisung.
- Vehicle to Home (V2H): Das Fahrzeug versorgt Teile des eigenen Haushalts mit Strom, etwa wenn die PV-Anlage gerade keinen Strom liefert.
- Vehicle to Grid (V2G): Strom aus der Fahrzeugbatterie fließt zurück ins öffentliche Stromnetz und kann Lastspitzen abfedern.
- Vehicle to Load (V2L): Die Batterie versorgt einzelne externe Geräte direkt, unabhängig vom Haus oder Netz.
Normale Wallbox oder bidirektionale Wallbox: Der Unterschied
| Merkmal | Normale Wallbox | Bidirektionale Wallbox |
|---|---|---|
| Laden des Fahrzeugs | Ja | Ja |
| Rückspeisung von Strom | Nein | Ja, je nach System |
| Nutzung von Solarstrom | Direkt beim Laden | Auch zeitversetzt über die Fahrzeugbatterie |
| Funktion im Energiesystem | Ladepunkt | Ladepunkt mit zusätzlicher Speicherfunktion |
Eine gewöhnliche AC-Wallbox ohne bidirektionale Funktion kann Strom ausschließlich ins Fahrzeug laden, nicht zurückspeisen. Für V2H, V2G oder V2L braucht es eine speziell dafür ausgelegte Wallbox, ein kompatibles Fahrzeug und ein abgestimmtes Energiemanagement, diese drei Komponenten müssen zusammenspielen.
Wichtig für die Kaufentscheidung: Nicht jede Wallbox, die als DC-fähig beworben wird, unterstützt automatisch auch die Rückspeisung. DC-Laden und bidirektionales Laden sind technisch verwandt, aber nicht dasselbe. Wer gezielt auf V2H oder V2G setzen möchte, sollte in der Produktdokumentation explizit nach diesen Bezeichnungen suchen, nicht nur nach der Ladeleistung oder dem Stecktyp.
Welches Kabel und welche Norm sind für bidirektionales Laden nötig?
Für bidirektionales Laden mit V2H ist ein CCS-Kabel (Combined Charging System) erforderlich. Dieser Standard ist in Europa bei DC-Ladevorgängen etabliert und bildet auch die technische Grundlage für die meisten bidirektionalen Anwendungen.
Entscheidend ist dabei nicht nur das Kabel selbst. Die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur läuft über ISO 15118-20, den Nachfolgestandard, der bidirektionalen Energiefluss überhaupt erst sicher und kontrolliert steuerbar macht. Ohne diese Abstimmung zwischen Norm, Kabel, Fahrzeug und Wallbox bleibt Rückspeisung technisch nicht möglich, selbst wenn einzelne Komponenten dafür grundsätzlich geeignet wären. Der Vorgängerstandard ISO 15118-2, der bei den meisten heutigen AC- und DC-Ladevorgängen zum Einsatz kommt, unterstützt zwar bereits eine sichere Authentifizierung und Plug-and-Charge-Funktionen, regelt aber keinen bidirektionalen Energiefluss. Wer also ein Fahrzeug oder eine Wallbox mit ISO 15118-2 kauft, sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass später per Software-Update auch V2H oder V2G nachgerüstet werden kann, das hängt von der zugrunde liegenden Hardware ab.
Empfohlene Artikel
Bei V2C werden Leistungsstarke Ladestation für Elektroautos in Europa entwickelt und hergestellt, und es wird über die neuesten Entwicklungen der Elektromobilität informiert.
Welche Elektroautos unterstützen bidirektionales Laden in Deutschland?
Bidirektionales Laden ist in Deutschland noch kein flächendeckender Standard. Erste Modelle unterstützen bereits V2H, V2G oder V2L, je nach Modell, Softwarestand und Systemumgebung. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über 17 Modelle, die sich aktuell in Deutschland einordnen lassen.
| Modell | Bidirektionaler Typ | Batterie | Preis |
|---|---|---|---|
| BMW iX3 | V2G, V2H | 74 kWh | ab 70.900 € |
| VW ID.3 | V2H | 77 kWh | ab 33.330 € |
| VW ID.4 | V2H | 77 kWh | ab 42.000 € |
| Škoda Enyaq 85 | V2H, V2G | 77 kWh | ab 48.900 € |
| Ford Explorer EV Extended Range | V2H, V2G | 79 kWh | ab 52.900 € |
| Ford Capri | V2H | 82 kWh | ab 48.000 € |
| Hyundai IONIQ 5 | V2L, V2H/V2G (in Erprobung) | 58 kWh | ab 45.000 € |
| Kia EV6 | V2L | 77 kWh | ab 46.000 € |
| Nissan Leaf | V2H, V2G | 40 kWh | ab 35.000 € |
| Volvo EX90 | V2H | 107 kWh | ab 95.000 € |
| Volvo EX30 | V2H, V2G | 69 kWh | ab 36.000 € |
| Cupra Born | V2H, V2G | 58 kWh | ab 37.000 € |
| Peugeot iOn | V2G | 30 kWh | ab 25.000 € |
| Citroën ë-C4 | V2G | 50 kWh | ab 28.000 € |
| MG4 Electric | V2L | 51 kWh | ab 26.000 € |
| Nissan Ariya | V2L | 63 kWh | ab 50.000 € |
| Renault 5 E-Tech | V2L, V2G | 52 kWh | ab 29.000 € |
Diese Übersicht ändert sich laufend, neue Modelljahre bringen regelmäßig zusätzliche Fahrzeuge mit V2H- oder V2G-Fähigkeit auf den Markt. Vor dem Kauf lohnt sich ein Blick in die aktuellen technischen Daten des jeweiligen Herstellers, da sich Softwarefreigaben teils nachträglich ändern.
Auffällig ist, dass bidirektionale Fähigkeit bei einigen Modellen erst per Software-Update nachgerüstet wird, statt von Werk aus aktiv zu sein. Wer heute ein Fahrzeug kauft, das laut Datenblatt V2H unterstützt, sollte deshalb direkt beim Händler nachfragen, ob die Funktion bereits freigeschaltet ist oder erst zu einem späteren Zeitpunkt aktiviert wird.
Trydan und bidirektionales Laden: Was heute schon geht
V2C hat im Juni 2026 auf der Power2Drive den Sprung von Trydan zur Bidirektionalität angekündigt. Trydan V2L Inselmodus ist die erste bidirektionale Funktion und bereits verfügbar: Sie versorgt das Haus vollständig über die Fahrzeugbatterie, während sich das Haus für die Dauer der Versorgung automatisch vom Stromnetz trennt.
Trydan V2H und V2G wurden für Q1 2027 angekündigt und sind aktuell noch nicht verfügbar. Details zum Launch und zur technischen Funktionsweise des Inselmodus stehen im Artikel V2C präsentiert Trydan bidirektional auf der Power2Drive 2026.
Unabhängig vom Bidirektionalitäts-Fahrplan lädt Trydan schon heute mit dynamischem Lastmanagement und automatischer PV-Überschusserkennung, zwei Funktionen, die für den Alltag der meisten E-Auto-Fahrer relevanter sind als V2H selbst.
Kurz gesagt: schon jetzt einsatzbereit, mehr folgt 2027.
Strom fließt in beide Richtungen: zum Laden und bei Bedarf zurück ins Haus
Checkliste vor dem Kauf einer bidirektionalen Wallbox
Wer sich für bidirektionales Laden entscheidet, kauft in der Regel nicht nur eine Wallbox, sondern investiert in ein ganzes System aus Fahrzeug, Ladeinfrastruktur und Energiemanagement. Die folgenden Punkte helfen, vor dem Kauf die wichtigsten Fragen zu klären, damit am Ende alle Komponenten tatsächlich zusammenspielen.
✅ Worauf es ankommt
- Fahrzeug unterstützt V2H, V2G oder V2L laut Hersteller-Datenblatt
- Wallbox ist explizit als bidirektional ausgewiesen, nicht nur als DC-fähig
- CCS-Kabel und ISO 15118-20 werden von Fahrzeug und Wallbox unterstützt
- Vorhandene PV-Anlage und Energiemanagement sind kompatibel
- Installationsbetrieb kennt sich mit bidirektionaler Technik aus
FAQs
V2H (Vehicle to Home) speist Strom aus der Fahrzeugbatterie ins eigene Zuhause zurück. V2G (Vehicle to Grid) speist Strom ins öffentliche Stromnetz zurück. V2L (Vehicle to Load) versorgt einzelne externe Geräte direkt mit Strom, ohne über Haus oder Netz zu laufen. Das Grundprinzip ist bei allen dreien gleich, nur das Ziel der Rückspeisung unterscheidet sich.
Für bidirektionales Laden mit V2H ist ein CCS-Kabel (Combined Charging System) erforderlich. Die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur läuft über ISO 15118-20, damit sich der Energiefluss sicher in beide Richtungen steuern lässt.
Trydan V2L Inselmodus, die erste bidirektionale Funktion von Trydan, ist bereits verfügbar und versorgt das Haus vollständig über die Fahrzeugbatterie. Trydan V2H und V2G wurden im Juni 2026 auf der Power2Drive angekündigt und sind für Q1 2027 geplant, aktuell also noch nicht verfügbar.
Bidirektionales Laden ist in Deutschland noch kein flächendeckender Standard. Erste Modelle wie BMW iX3, VW ID.3, VW ID.4, Škoda Enyaq 85, Volvo EX30 und weitere unterstützen bereits V2H, V2G oder V2L, je nach Modell und Softwarestand. Eine vollständige Übersicht mit 17 Modellen steht weiter oben im Artikel.
Nein. Bidirektionales Laden erfordert eine speziell dafür ausgelegte Wallbox, ein kompatibles Fahrzeug und ein abgestimmtes Energiemanagement. Eine gewöhnliche AC-Wallbox ohne bidirektionale Funktion kann Strom nur ins Fahrzeug laden, nicht zurückspeisen.
Anfang 2025 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt rund 1,65 Millionen batterieelektrische Pkw in Deutschland zugelassen. Die meisten davon stehen den größten Teil des Tages ungenutzt, genau das ist das Potenzial, das bidirektionales Laden erschließen kann.
Kurz gesagt
Bidirektionales Laden macht aus dem Elektroauto einen zusätzlichen Stromspeicher fürs eigene Zuhause, das Stromnetz oder einzelne Geräte. Voraussetzung sind ein kompatibles Fahrzeug, eine bidirektionale Wallbox und ein CCS-Kabel nach ISO 15118-20. Trydan bietet mit dem V2L Inselmodus bereits heute eine erste bidirektionale Funktion, V2H und V2G folgen ab Q1 2027.
Hallo,
wir sind derzeit dabei uns einen neuen Audi Q4 etron anzu schaffen wo wir unbedingt die Möglichkeit von V2H nutzen möchten.
Können sie uns bitte hierzu unterstützen wir mit unserer bestenden PV Anlage ohne Speicher dieses umsetzen könnten.
Würden und freuen wenn sie uns dazu ein Konzept vorstellen könnten und was dieses dann kosten würde.
Vorab vielen Dank.
MfG Ludwig Etscheid
Hallo Herr Etscheid,
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Interesse an Vehicle-to-Home (V2H).
Aktuell befindet sich unsere bidirektionale Lösung, der Trydan Bidirectional, noch in der letzten Entwicklungsphase. Der Verkaufsstart ist für das letzte Quartal 2026 geplant. Erst mit dieser Lösung wird echtes V2H möglich, bei dem Energie aus der Fahrzeugbatterie ins Haus zurückgespeist werden kann.
Zu Ihrer Situation: Da Sie derzeit keinen Batteriespeicher haben, würde der Audi Q4 e-tron in diesem Fall im Prinzip die Rolle des Speichers übernehmen können, sobald der Trydan Bidirectional verfügbar ist. Ein detailliertes Konzept sowie konkrete Kosten können wir Ihnen jedoch erst vorstellen, wenn die technischen Details und die Preisgestaltung final feststehen.
Gerne melden wir uns bei Ihnen, sobald wir hierzu mehr Informationen haben. Falls Sie in der Zwischenzeit Fragen zu unserer aktuellen Wallbox-Lösung mit PV-Überschussladen haben, unterstützen wir Sie selbstverständlich auch dabei.
Viele Grüße,
Das Team von V2C