Bei Victron-Anlagen laufen alle Messwerte im Cerbo GX zusammen, und genau dort holt Trydan sie ab. Sobald Modbus TCP auf dem Cerbo GX aktiv ist, regelt die Wallbox ihren Ladestrom nach dem tatsächlichen Solarüberschuss, direkt im Heimnetz und ohne zusätzlichen Zähler. Dieser Beitrag zeigt die zwei Schritte der Einrichtung und klärt eine Frage, die in Victron-Systemen mit großem Speicher regelmäßig aufkommt: Wer bekommt den Überschuss zuerst, das Auto oder der Hausakku?
Das Wichtigste in Kürze
- Trydan liest die PV-Daten eines Victron-Systems über den Cerbo GX aus.
- Auf dem Cerbo GX wird einmalig Modbus TCP aktiviert, am Display oder über die Remote Console im Browser.
- In der V2C App werden danach Victron als Wechselrichter und die IP des Cerbo GX eingetragen.
- Mit Firmware 2.5.1 legt Trydan fest, ob zuerst das Auto oder der Hausakku geladen wird.
Inhaltsübersicht
- 1 Was Trydan für die Anbindung an ein Victron-System braucht
- 2 Schritt 1: Modbus TCP auf dem Cerbo GX aktivieren
- 3 Schritt 2: Trydan in der V2C App mit Victron verbinden
- 4 Häufige Stolpersteine bei der Einrichtung
- 5 Großer Hausakku: Wer den Überschuss zuerst bekommt
- 6 Offene Protokolle auf beiden Seiten
- 7 Kurz gesagt
- 8 FAQs
Was Trydan für die Anbindung an ein Victron-System braucht
Victron baut Solaranlagen modular auf: Wechselrichter, Laderegler, Batterie und Zähler sind einzelne Komponenten. Die Zentrale, die alle Werte bündelt, ist der Cerbo GX. Für Trydan ist er die einzige Schnittstelle, die zählt, denn die Wallbox fragt dort ab, wie viel Solarstrom erzeugt wird, was das Haus verbraucht und was als Überschuss übrig bleibt. V2C beschreibt die Anbindung ausdrücklich für den Cerbo GX, bei anderen GX-Geräten lohnt sich eine kurze Rückfrage beim Support.
Die zweite Voraussetzung ist das Heimnetz. Cerbo GX und Wallbox müssen sich im selben Netzwerk erreichen, und V2C rät zu einem stabilen, direkten WLAN, weil Repeater und Mesh-Systeme die Verbindung beeinträchtigen können. Wer den Cerbo GX ohnehin per LAN-Kabel am Router hat, erfüllt den Netzwerkteil bereits auf der Victron-Seite.
Welche Rolle die einzelnen Bausteine eines typischen Victron-Systems beim Überschussladen spielen, zeigt die Übersicht:
| Komponente | Aufgabe beim Überschussladen |
|---|---|
| Wechselrichter/Ladegerät etwa MultiPlus-II oder Quattro | wandelt zwischen Batterie, Haus und Netz und stellt den Hausstrom bereit |
| MPPT-Laderegler etwa SmartSolar | bringt den Strom der Solarmodule in das System |
| Energiezähler am Netzanschluss | misst Bezug und Einspeisung und damit den Überschuss |
| Batterie | speichert Solarstrom für Abend und Nacht |
| Cerbo GX | bündelt alle Werte und gibt sie per Modbus TCP an Trydan weiter |
Für die Wallbox genügt der Zugriff auf den Cerbo GX. Welche Wechselrichter oder Laderegler im System verbaut sind, spielt für die Anbindung keine Rolle, solange der Cerbo GX ihre Werte kennt.
✅ Vor der Einrichtung prüfen
- Cerbo GX installiert und mit dem Heimnetz verbunden
- Zugang zum Cerbo GX über das Display oder die Remote Console im Browser
- Trydan im selben Netzwerk, mit stabilem Signal direkt vom Router
- V2C App mit bereits eingerichtetem Trydan
Schritt 1: Modbus TCP auf dem Cerbo GX aktivieren
Modbus TCP ist ein offenes Protokoll, über das der Cerbo GX seine Messwerte an andere Geräte im Netz weitergibt. Im Menü Services wird der Eintrag Modbus TCP auf Enabled gesetzt, das ist die ganze Änderung auf der Victron-Seite. Möglich ist das direkt am Display des Cerbo GX oder über die Remote Console, die im Browser unter der IP-Adresse des Geräts erreichbar ist.

Die IP-Adresse wird im nächsten Schritt gebraucht. Sie steht in den Netzwerkeinstellungen am Display, in der Bluetooth-App VictronConnect oder in der Geräteliste des Routers. Wer die Anlage bereits im VRM-Portal von Victron verwaltet, erreicht die Remote Console auch von dort aus und kann die Einstellung aus der Ferne prüfen.
Ähnlich funktioniert es bei SolarEdge, wo die Schnittstelle ebenfalls erst freigegeben wird.
Schritt 2: Trydan in der V2C App mit Victron verbinden
In der V2C App wird in den Einstellungen des Trydan die dynamische Leistungsregelung eingeschaltet. Als Gerätetyp wird „Photovoltaik-Wechselrichter“ gewählt, als Typ „Victron“, danach folgen die IP-Adresse des Cerbo GX und die Installationsart, also einphasig oder dreiphasig, mit aktivierter Option „Installation mit Photovoltaik“. Mit dem Speichern beginnt Trydan, den Ladestrom am Überschuss auszurichten.
Bei der Installationsart zählt allein, wie Trydan selbst angeschlossen ist. Manche Victron-Anlagen laufen mit drei MultiPlus-Geräten dreiphasig, andere einphasig. Dreiphasig startet reines PV-Laden ab rund 4,1 kW Überschuss, einphasig schon ab rund 1,4 kW, weil der kleinste Ladestrom bei 6 Ampere pro Phase liegt.

Die Anleitung mit Video steht in der Supportanleitung zur Victron-Anbindung.
Häufige Stolpersteine bei der Einrichtung
Liefert Trydan nach dem Speichern keine PV-Werte, liegt die Ursache meist an einem von vier Punkten:
- Modbus TCP nicht aktiv: Nach einem Firmware-Update oder einem Reset des Cerbo GX lohnt ein Blick ins Menü Services, ob der Eintrag noch auf Enabled steht.
- IP-Adresse geändert: Vergibt der Router die Adresse dynamisch, kann sie sich nach einem Neustart ändern. Eine feste Adresszuweisung für den Cerbo GX im Router verhindert das.
- Getrennte Netze: Hängt die Wallbox im Gäste-WLAN und der Cerbo GX im Heimnetz, können sich beide Geräte nicht erreichen.
- Schwaches Signal: Repeater und Mesh-Knoten zwischen Wallbox und Router können die Kommunikation stören, ein direktes Signal vom Router ist die stabilere Lösung.
Hilft keiner der Punkte weiter, beantwortet der technische Support von V2C Fragen zur konkreten Anlage.
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Großer Hausakku: Wer den Überschuss zuerst bekommt
Viele Victron-Systeme arbeiten mit großen Speichern, und dann konkurrieren Akku und Auto um denselben Solarstrom. Seit Firmware 2.5.1 löst Trydan diesen Konflikt über die Ladepriorität im Modus „Exklusive Photovoltaik“: Entweder fließt der Überschuss zuerst ins Auto oder zuerst in den Heimspeicher, und die jeweils andere Seite erhält, was danach übrig bleibt. Diese Einstellung funktioniert mit jedem Wechselrichter, also auch mit Victron. Welche Reihenfolge sinnvoll ist, hängt vom Alltag ab: Steht das Auto tagsüber zu Hause, liegt die Priorität meist beim Auto, pendelt es tagsüber, lohnt sich der Akku zuerst, damit er am Abend die Wallbox oder das Haus versorgt.
Ladepriorität bei Trydan (Firmware 2.5.1)
🚘 Auto zuerst
Passt, wenn das Auto tagsüber zu Hause steht.
🔋 Hausakku zuerst
Passt, wenn der Speicher Abend und Nacht abdecken soll.
Eine zweite Speicherfunktion von Trydan, das Nutzen oder Ausschließen des Heimspeichers beim Laden des Autos, steht derzeit für Huawei, Solis, Deye, Sungrow und Sigenergy zur Verfügung. Victron gehört noch nicht zu dieser Liste. Beide Funktionen mit ihren Voraussetzungen erklärt der Beitrag Trydan und Heimspeicher, das Zusammenspiel von Speicher, Wallbox und Solaranlage beschreibt Hausbatterie, Wallbox und Solar.
Warum sich die Mühe lohnt: Für neue Anlagen bis 10 kWp gibt es bei Teileinspeisung seit August 2026 nur noch 7,70 Cent pro eingespeister Kilowattstunde (ADAC).
Offene Protokolle auf beiden Seiten
Victron setzt auf offene Schnittstellen: Der Cerbo GX gibt seine Daten über Modbus TCP und MQTT im Heimnetz weiter. Trydan passt in dieses Umfeld, weil die Wallbox selbst OCPP 1.6, eine REST API und die Anbindung an Home Assistant, Alexa und Google Home mitbringt. Wer das eigene System lieber selbst orchestriert, findet die Details in den Beiträgen MQTT und API und Wallbox im Smart Home.
Victron bietet mit der EV Charging Station auch eine eigene Wallbox an, die sich direkt in das Victron-Ökosystem einfügt. Trydan ist die Alternative für Haushalte, die eine Wallbox mit breiter Wechselrichterunterstützung suchen: Neben Victron steuert Trydan unter anderem Fronius, SMA, Huawei, Sungrow und GoodWe direkt an, und ohne passenden Wechselrichter misst eine Stromzange am Hausanschluss den Überschuss.
Kurz gesagt
Trydan nutzt den Cerbo GX als Datenquelle und lädt mit dem Solarüberschuss eines Victron-Systems, sobald Modbus TCP auf dem Cerbo GX aktiv und Victron in der V2C App ausgewählt ist. Für Anlagen mit großem Speicher legt die Ladepriorität fest, ob zuerst das Auto oder der Hausakku geladen wird. Wie Wallbox und Photovoltaik grundsätzlich zusammenarbeiten, erklärt der Leitfaden Wallbox mit PV-Anlage verbinden.
FAQs
Trydan liest die Daten des Victron-Systems über den Cerbo GX aus. Auf dem Cerbo GX wird dafür Modbus TCP aktiviert, danach wird in der V2C App Victron als Wechselrichter gewählt und die IP-Adresse des Cerbo GX eingetragen.
V2C beschreibt die Anbindung ausdrücklich für den Cerbo GX. Bei anderen GX-Geräten ist vor der Installation eine kurze Rückfrage beim technischen Support von V2C sinnvoll.
Im Menü Services des Cerbo GX wird Modbus TCP auf Enabled gesetzt. Das geht direkt am Display oder über die Remote Console im Browser, die unter der IP-Adresse des Cerbo GX erreichbar ist.
Die IP-Adresse steht in den Netzwerkeinstellungen am Display des Cerbo GX. Alternativ zeigen sie die Bluetooth-App VictronConnect oder die Geräteliste des Routers an.
Ja. Seit Firmware 2.5.1 legt Trydan im Modus Exklusive Photovoltaik fest, ob der Solarüberschuss zuerst ins Auto oder in den Heimspeicher fließt. Diese Ladepriorität funktioniert mit jedem Wechselrichter. Die Funktion, den Heimspeicher beim Laden des Autos zu nutzen oder auszuschließen, ist für Victron derzeit noch nicht verfügbar.
Nein. Trydan übernimmt die Messwerte, die der Cerbo GX bereits kennt, einschließlich Netzbezug und Einspeisung. Ein separates Messgerät von V2C ist für die Victron-Anbindung nicht vorgesehen.
V2C empfiehlt ein stabiles, direktes WLAN. Repeater und Mesh-Netzwerke können die Kommunikation zwischen Wallbox und Victron-System beeinträchtigen.
Ja. Eine Stromzange am Hausanschluss misst den Überschuss direkt und unabhängig vom Wechselrichter. Trydan regelt den Ladestrom dann auf Basis dieser Messung.